Absicherung der Baufinanzierung: Risikoleben, BU und Restschuld
Von Manuel Digeronimo · 13. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Ein Baukredit über 400 000 Euro bedeutet bei heutigen Zinsen eine Rate von rund 2 000 Euro im Monat, und das über mehr als 25 Jahre. Fällt in dieser Zeit ein Einkommen weg, durch Tod oder Berufsunfähigkeit, wird die Rate schnell zum Problem. Drei Versicherungen werden dafür angeboten: die Risikolebensversicherung, die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Restschuldversicherung. Dieser Artikel zeigt, was sie leisten, was Banken verlangen dürfen und welche Kosten realistisch sind.
Welches Risiko du absicherst
| Risiko | Passende Versicherung | Was sie leistet |
|---|---|---|
| Tod eines Kreditnehmers oder Verdieners | Risikolebensversicherung | Einmalzahlung an die Hinterbliebenen, mit der sie den Kredit ganz oder teilweise tilgen können |
| Dauerhafte Berufsunfähigkeit | Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) | Monatliche Rente, solange du deinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst |
| Tod, Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit (je nach Vertrag) | Restschuldversicherung | Übernimmt Restschuld oder für begrenzte Zeit die Raten |
Was Banken verlangen dürfen
Bei Immobilienkrediten darf die Bank den Abschluss einer Versicherung zur Bedingung machen. Das stellt die BaFin klar. Tut sie das, müssen die Kosten der Versicherung in den effektiven Jahreszins eingerechnet werden. Das folgt aus § 16 der Preisangabenverordnung: Nur freiwillige Versicherungen bleiben außen vor. Ein Angebot mit Pflichtversicherung hat deshalb einen höheren Effektivzins und ist im Vergleich ehrlich ausgewiesen. Im ESIS-Merkblatt muss stehen, welche Nebenleistungen verpflichtend sind.
Bei Konsumentenkrediten gelten seit dem 2. Januar 2025 strengere Regeln: Der Kredit darf nicht vom Abschluss einer Restschuldversicherung abhängig gemacht werden, und die Versicherung darf frühestens eine Woche nach dem Kreditvertrag abgeschlossen werden. Diese Wartefrist gilt laut BaFin ausdrücklich nicht für Immobilienkredite.
In der Praxis verlangen nicht alle Banken eine Versicherung. Wie streng sie sind, hängt von Bank, Beleihung und Haushaltssituation ab. Frag vorher, ob du eine eigene, bereits bestehende Police einbringen darfst. Dann musst du nicht das Produkt nehmen, das die Bank vermittelt.
Risikolebensversicherung: der Basisschutz
Die Risikolebensversicherung zahlt nur, wenn die versicherte Person während der Laufzeit stirbt. Sie hat keinen Sparanteil und ist deshalb vergleichsweise günstig. Die Verbraucherzentrale hält sie für Familien mit Kindern und für Paare mit hohen finanziellen Verpflichtungen für sinnvoll, besonders bei einem Alleinverdiener.
- Fallende Versicherungssumme: Zur Absicherung eines Darlehens empfiehlt die Verbraucherzentrale eine Police, deren Summe mit der Restschuld sinkt. Sie ist günstiger als eine konstante Summe.
- Jährliche Anpassung statt linearem Abfall: Laut Stiftung Warentest können Tarife mit konstant fallender Summe Deckungslücken von 10 000 Euro und mehr haben, weil die Restschuld eines Annuitätendarlehens anfangs langsamer sinkt. Besser sind Tarife, die sich jährlich an die tatsächliche Restschuld anpassen.
- Beitragsverrechnung: Die Verbraucherzentralen empfehlen diese Variante, weil die Versicherungssumme dabei vollständig garantiert ist.
- Gesundheitsfragen ehrlich beantworten: Wer eine bekannte schwere Krankheit verschweigt, riskiert, dass im Todesfall nicht gezahlt wird.
Kosten: Im letzten Vergleich von Stiftung Warentest (Finanztest 2/2023) zahlte eine 35-jährige Modellkundin im günstigsten Tarif 433 Euro im Jahr für 450 000 Euro Versicherungssumme und 114 Euro für 100 000 Euro. Die teuersten Angebote kosteten ein Mehrfaches. Beruf, Gesundheit, Gewicht und Rauchen beeinflussen den Preis stark. Aktuelle Preise können abweichen.
Berufsunfähigkeitsversicherung: das größere Risiko
Berufsunfähigkeit ist für die Finanzierung oft das größere Risiko als der Tod. Das Einkommen fällt weg, die Kosten für Leben und Kredit laufen weiter. Der Staat zahlt laut Stiftung Warentest im Schnitt nur etwa 995 Euro im Monat bei voller und etwa 630 Euro bei teilweiser Erwerbsminderung. Die private BU-Rente wird darauf nicht angerechnet.
Die BU zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 Prozent nicht ausüben kannst. Im Test von Stiftung Warentest vom Mai 2026 waren 42 von 56 Tarifen „sehr gut“. Die günstigsten Beiträge begannen für einen 30-jährigen Controller mit 2 400 Euro Monatsrente bei 730 Euro im Jahr. Für Berufe mit körperlicher Arbeit und für ältere Antragsteller wird es deutlich teurer.
Wichtig beim Hausbau: Achte auf eine Nachversicherungsgarantie. Stiftung Warentest nennt den Immobilienkauf ausdrücklich als möglichen Anlass, um die Rente später ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
Restschuldversicherung: was die Verbraucherzentrale kritisiert
Die Restschuldversicherung ist an einen bestimmten Kredit gekoppelt. Bei Konsumentenkrediten fällt das Urteil der Verbraucherzentrale deutlich aus: Sie seien teuer und leisteten wenig. In ihrem Beispiel für einen Ratenkredit über 18 000 Euro mit acht Jahren Laufzeit steigt der effektive Jahreszins durch die Versicherung von 8,49 auf 16,89 Prozent. Die Mehrkosten betragen über 7 100 Euro. Hinzu kommen viele Ausschlüsse, Wartezeiten und Karenzzeiten. Für Arbeitnehmer verweist die Verbraucherzentrale auf Lohnfortzahlung und Krankengeld und empfiehlt als Alternativen Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung.
Bei Immobilienkrediten ist der Begriff weniger eindeutig. Stiftung Warentest versteht darunter auch reine Todesfallpolicen mit sinkender Summe, die im Kern wie eine Risikolebensversicherung funktionieren und günstig sein können. Kritisch sind vor allem Pakete, die zusätzlich Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit abdecken und als Einmalbeitrag mitfinanziert werden. Du kannst eine Restschuldversicherung innerhalb von 14 Tagen widerrufen, mit Todesfallschutz innerhalb von 30 Tagen.
Beispiel: Paar mit 400 000 Euro Kredit
Ein Paar, beide Mitte 30, finanziert 400 000 Euro zu angenommenen 4 % Sollzins und 2 % Anfangstilgung. Die Rate beträgt 2 000 Euro im Monat. Die Restschuld entwickelt sich bei monatlicher Zahlung so:
| Nach Jahren | Restschuld |
|---|---|
| 5 | ca. 355 800 Euro |
| 10 | ca. 301 800 Euro |
| 15 | ca. 235 900 Euro |
| 20 | ca. 155 500 Euro |
| 25 | ca. 57 200 Euro |
Der Kredit ist nach rund 27,5 Jahren getilgt. Die Restschuld sinkt anfangs langsam: Nach zehn Jahren sind erst knapp 100 000 Euro getilgt. Eine linear fallende Versicherungssumme würde hier zu schnell sinken. Daraus folgt:
- Risikoleben: Jeder Partner versichert sich, ideal mit einer Summe, die der Restschuld folgt. Als Größenordnung aus dem Finanztest-Vergleich: rund 400 Euro im Jahr für 450 000 Euro konstante Summe für eine 35-Jährige. Eine fallende Summe ist günstiger.
- BU: Fällt ein Partner aus, bekommt er bei voller Erwerbsminderung im Schnitt etwa 995 Euro vom Staat. Bis zur Rate von 2 000 Euro fehlen dann rund 1 000 Euro im Monat, dazu die Lebenshaltungskosten. Für 2 400 Euro Monatsrente nannte Stiftung Warentest bei einem 30-jährigen Controller Beiträge ab 730 Euro im Jahr. Je nach Beruf und Alter kann es deutlich mehr sein.
- Budget: Für zwei Risikolebens- und zwei BU-Verträge in diesen Größenordnungen kämen grob 190 Euro im Monat zusammen. Das ist viel Geld, aber weniger als 10 Prozent der Kreditrate.
Rechne diese Beiträge in deine Haushaltsplanung ein, bevor du die Kredithöhe festlegst. Der Artikel Wie viel Haus kann ich mir leisten? und der Budgetrechner helfen dabei.
Quellen
- BaFin: Restschuldversicherung, Regeln seit 01.01.2025, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Verbraucherzentrale: Restschuldversicherungen sind teuer und leisten nur wenig, Stand 22.09.2026, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Verbraucherzentrale: Risiko-Lebensversicherung – Schutz im Todesfall, Stand 16.02.2026, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Stiftung Warentest: Risikolebensversicherung im Vergleich (Finanztest 2/2023), abgerufen am 13. Oktober 2026
- Stiftung Warentest: Berufsunfähigkeitsversicherungen – 42 von 56 Angeboten sehr gut, Pressemitteilung 18.05.2026, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Stiftung Warentest: Restschuldversicherung für Immobilienkredite, Stand 10.10.2023, abgerufen am 13. Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz