Hausanschlüsse beantragen: Strom, Wasser, Abwasser und Internet
Von Manuel Digeronimo · 13. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Ein Haus ist erst bewohnbar, wenn Strom, Trinkwasser, Abwasser und ein Internetanschluss im Gebäude ankommen. Jede dieser Leitungen gehört einem anderen Betreiber, und jeder hat sein eigenes Formular, seine eigenen Fristen und sein eigenes Preisblatt. Wer die Anträge zu spät stellt, wartet nach dem Rohbau auf den Bagger des Netzbetreibers. Dieser Artikel zeigt die Reihenfolge, die nötigen Unterlagen und die Kosten anhand aktueller Preisblätter von Stadtwerken.
Wer ist zuständig?
Für die Netzanschlüsse ist immer der örtliche Netzbetreiber zuständig, nicht dein Stromlieferant. Oft sind das die Stadtwerke, in ländlichen Gebieten ein regionaler Verteilnetzbetreiber. Welcher Betreiber dein Grundstück versorgt, erfährst du bei der Gemeinde oder im Bebauungsplanverfahren.
- Strom: Verteilnetzbetreiber. Der Anschluss richtet sich nach der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und den ergänzenden Bedingungen des Betreibers.
- Trinkwasser: Wasserversorger, meist Stadtwerke oder ein Zweckverband.
- Abwasser und Regenwasser: Gemeinde oder kommunaler Abwasserbetrieb. Hier stellst du in der Regel einen Entwässerungsantrag. Die Leitungen auf deinem Grundstück bis zum Kanal planst und bezahlst du selbst.
- Telekommunikation: Telekom oder ein regionaler Glasfaseranbieter. Im Neubaugebiet steht oft schon fest, wer das Netz baut.
- Gas oder Fernwärme: nur, wenn du sie nutzen willst. Bei einem Neubau mit Wärmepumpe entfällt der Gasanschluss meist.
Die richtige Reihenfolge
Die Thüringer Energienetze beschreiben in ihrer Bauherrenbroschüre (Stand 07/2024) einen Ablauf, der sich so ähnlich bei fast allen Netzbetreibern findet. Zusammengefasst:
- Planungsphase: Lage des Hausanschlussraums oder der Hausanschlussnische mit dem Architekten festlegen, Leitungstrasse auf dem Grundstück planen, Leistungsbedarf grob ermitteln (Wärmepumpe, Wallbox, Durchlauferhitzer).
- Vor Baubeginn: Baustrom und Bauwasser beantragen. Den Baustromantrag stellt in der Regel dein Elektroinstallateur.
- Anmeldung: Netzanschlüsse für Strom, Wasser, Telekommunikation und Abwasser anmelden. Viele Stadtwerke bitten darum, alle Sparten gleichzeitig einzureichen.
- Angebot und Auftrag: Der Netzbetreiber schickt ein Angebot. Erst mit deinem schriftlichen Auftrag wird der Anschluss terminiert.
- Bauphase: Trasse frei halten, Mehrspartenhauseinführung oder Wanddurchführungen einbauen, Hausanschlussraum trocken und abschließbar herrichten.
- Inbetriebsetzung: Der Installateur meldet die fertige Hausinstallation an, dann setzt der Netzbetreiber den Zähler.
Für den Antrag brauchst du meist ein ausgefülltes Anmeldeformular, einen amtlichen Lageplan im Maßstab 1:500 und einen Grundriss des Keller- oder Erdgeschosses, in dem der Hausanschlussraum eingezeichnet ist. So verlangen es zum Beispiel die Stadtwerke Bad Saulgau in ihrer Bauherrenmappe 2026. Für Strom kommt die Anschlussleistung in Kilowatt dazu.
Vorlaufzeiten: lieber zu früh als zu spät
Verbindliche Bearbeitungsfristen nennen die meisten Netzbetreiber nicht. Einige Anhaltspunkte aus den Unterlagen:
- Die Mindener Stadtwerke nennen für einen Standard-Gasanschluss rund 4 Wochen ab Auftragseingang und technischer Klärung, abhängig von Wetter und Baufortschritt.
- Die Telekom bat in ihrem Bauherrenflyer (Stand 2020) darum, sie mindestens zwölf Wochen vorher zu informieren, wenn der Energieversorger eine Leitung zum Haus legt, damit die Glasfaser gleich mitverlegt werden kann. Vor dem Bau verlangt sie außerdem einen unterschriebenen Grundstücksnutzungsvertrag.
- Netzbetreiber wie die Stadtwerke Bad Saulgau bitten darum, sich für Baustrom und Bauwasser „frühzeitig“ zu melden, ohne eine Wochenzahl zu nennen.
Eine praktische Faustregel: Stelle die Anträge, sobald die Baugenehmigung vorliegt oder absehbar ist, spätestens aber drei Monate vor dem geplanten Ende des Rohbaus. Dann bleibt Zeit, die Termine der einzelnen Gewerke im gemeinsamen Graben zu koordinieren.
Mehrspartenhauseinführung und Hausanschlussraum
Eine Mehrspartenhauseinführung führt alle Versorgungsleitungen an einer Stelle durch die Bodenplatte oder die Kellerwand ins Haus. Bei Häusern ohne Keller ist sie heute die Regel. Laut Thüringer Energienetze nimmt sie bis zu fünf Leitungen auf, die je nach Baufortschritt nachträglich eingezogen werden können. Wichtig ist, dass sie gas- und wasserdicht ist und vom Netzbetreiber akzeptiert wird.
Wer die Einführung kauft und einbaut, regeln die Betreiber unterschiedlich. Bei den Mindener Stadtwerken besorgt und setzt sie der Bauherr, KG-Rohre sind als Schutzrohr nicht zulässig. In Bad Saulgau liefert und montiert sie der Netzbetreiber zusammen mit dem Wasseranschluss. Die Hertener Stadtwerke ziehen bei einer bauseits gestellten Mehrspartenhauseinführung einmalig 154,70 Euro vom Strompreis ab. Kläre das also vor dem Betonieren der Bodenplatte.
Für den Hausanschlussraum gilt DIN 18012. Die Broschüre der Thüringer Energienetze nennt eine lichte Höhe von mindestens 2,00 Metern und eine Breite von mindestens 1,80 Metern. Vor dem Zählerschrank braucht es einen Arbeitsbereich von mindestens 1,20 Metern Tiefe. Bei Einfamilienhäusern ohne Keller ist eine Hausanschlussnische möglich, die du vorher mit dem Netzbetreiber abstimmst. Wie du die Elektroverteilung dahinter planst, zeigt unser Elektroplaner.
Was die Anschlüsse kosten
Die Preise legt jeder Betreiber selbst fest. Sie unterscheiden sich je nach Region, Leitungslänge und Tiefbau deutlich. Einige aktuelle Bruttopreise aus veröffentlichten Preisblättern:
| Leistung | Preis brutto | Quelle |
|---|---|---|
| Stromanschluss bis 10 m, ohne Tiefbau | 1 987,30 Euro | Stadtwerke Bad Saulgau, Stand März 2026 |
| Tiefbau öffentlicher Bereich, befestigt, bis 10 m (je Sparte) | 2 737,00 Euro | Stadtwerke Bad Saulgau |
| Wasseranschluss bis 10 m, ohne Tiefbau | 1 666,00 Euro | Stadtwerke Bad Saulgau |
| Tiefbau Wasser, öffentlicher Bereich, bis 10 m | 3 272,50 Euro | Stadtwerke Bad Saulgau |
| Stromanschluss Einfamilienhaus, 0 bis 5 m / 15 bis 20 m | 4 046,00 / 5 593,00 Euro | Hertener Stadtwerke, ab 1.1.2026 |
| Wasseranschluss Standard, bis 10 m | 4 289,63 Euro | Stadtwerke München, ab 1.8.2026 |
| Baustrom: Anschluss und Abbau des Verteilers | je 180,88 Euro | Hertener Stadtwerke |
| Inbetriebsetzung Stromzähler | 82,11 Euro | Hertener Stadtwerke |
Dazu kann beim Strom ein Baukostenzuschuss kommen. Nach § 11 NAV dürfen Netzbetreiber ihn erst für Leistung oberhalb von 30 kW verlangen. In Herten kostet jedes weitere Kilowatt im Niederspannungsnetz 45,22 Euro brutto, in Bad Saulgau 47,60 Euro. Ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe bleibt meist unter dieser Schwelle, mit zusätzlicher Wallbox und Durchlauferhitzer kann es knapp werden. Für Wasser und Gas erheben beide Betreiber keinen Baukostenzuschuss.
Nicht in diesen Preisen enthalten sind die Entwässerung auf deinem Grundstück und die Gebühren der Gemeinde. Ob für den Kanal ein Anschlussbeitrag fällig wird oder ob er schon im Grundstückspreis steckt, steht in der Abwassersatzung der Gemeinde oder im Kaufvertrag des Grundstücks.
Glasfaser im Neubau
Für den Internetanschluss lohnt sich Glasfaser bis ins Haus. Im Neubaugebiet verlegt der ausbauende Anbieter oft ohnehin Leerrohre bis zur Grundstücksgrenze. Die Telekom gab in ihrem Bauherrenflyer an, auf dem Grundstück 20 Meter Glasfaserkabel kostenfrei zu verlegen und den Abschlusspunkt samt Glasfaser-Modem (ONT) zu installieren. Ob das heute noch so gilt, prüfst du direkt beim Anbieter.
Regionale Anbieter berechnen den Anschluss oft. Die Stadtwerke Bad Saulgau verlangen für die Mitverlegung des Leerrohrs im gemeinsamen Graben mit einer anderen Sparte 595,00 Euro, bei Einzelverlegung 1 249,50 Euro plus Tiefbau. Der gemeinsame Graben spart also spürbar Geld. Plane im Haus ein Leerrohr vom Hausanschlussraum zum Technikschrank ein.
Beispielrechnung: Anschlusskosten für ein Einfamilienhaus
Angenommen, dein Haus steht nah an der Straße, die Leitungslänge liegt unter 10 Metern und der Tiefbau im öffentlichen Bereich ist befestigt. Mit den Preisen der Stadtwerke Bad Saulgau ergibt sich:
- Strom: 1 987,30 + 2 737,00 = 4 724,30 Euro
- Wasser: 1 666,00 + 3 272,50 = 4 938,50 Euro
- Glasfaser, im gemeinsamen Graben: 595,00 Euro
- Summe: rund 10 260 Euro
Hinzu kommen Baustrom, Bauwasser, Zählersetzung, die Grundstücksentwässerung und gegebenenfalls ein Baukostenzuschuss. Bei längeren Leitungen steigt der Preis pro Meter: In Bad Saulgau kostet jeder weitere Meter Tiefbau auf dem eigenen Grundstück 119,00 bis 238,00 Euro je Sparte. Ein Haus in zweiter Reihe wird so schnell einige tausend Euro teurer. Rechne die Summe in deine Baunebenkosten im Baukostenrechner ein.
Checkliste für die Hausanschlüsse
- Netzbetreiber für Strom, Wasser, Abwasser und Glasfaser ermitteln.
- Lage von Hausanschlussraum oder -nische nach DIN 18012 im Plan festlegen.
- Anschlussleistung mit dem Elektroplaner abschätzen (Wärmepumpe, Wallbox, Kochfeld).
- Baustrom und Bauwasser vor Baubeginn beantragen.
- Alle Netzanschlüsse gleichzeitig anmelden, Lageplan 1:500 und Grundriss beilegen.
- Klären, wer die Mehrspartenhauseinführung liefert und einbaut.
- Glasfaseranbieter früh informieren, damit er im gemeinsamen Graben mitverlegt.
- Entwässerungsantrag bei der Gemeinde stellen.
- Angebote prüfen, schriftlich beauftragen, Trasse frei halten.
- Inbetriebsetzung über den Installateur anmelden.
Quellen
- Stadtwerke Bad Saulgau: Bauherrenmappe 2026 mit Preisblatt Stand März 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Hertener Stadtwerke: Preisblatt Ergänzende Bedingungen zur NAV, gültig ab 1. Januar 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Stadtwerke München: Preise Netzanschlüsse, gültig ab 1. August 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Thüringer Energienetze: Bauherrenbroschüre, Stand 07/2024, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Mindener Stadtwerke: Bauherrenmappe, Stand 11/2024, abgerufen am 13. Oktober 2026
- Telekom: Bauherrenflyer, Stand 05/2020, abgerufen am 13. Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz