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Grundriss planen: Raumgrößen, Stauraum und Fehler, die man später bereut

Von Manuel Digeronimo · 13. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Wände lassen sich nach dem Einzug nur mit großem Aufwand versetzen. Deshalb ist die Grundrissplanung die Phase, in der du am meisten Geld und Ärger sparen kannst. Ein guter Grundriss passt zu deinem Alltag, nutzt die Sonne, hat genug Stauraum und lässt sich später an neue Lebenslagen anpassen. Dieser Artikel liefert dir Maße zur Orientierung, typische Fehler und eine Checkliste für das Gespräch mit deinem Planer.

Erst die Rahmenbedingungen, dann die Räume

Bevor du Zimmer verschiebst, kläre, was auf deinem Grundstück erlaubt ist. Der Bebauungsplan oder, wenn es keinen gibt, die Umgebungsbebauung nach § 34 BauGB legen Größe, Geschosszahl, Dachform und oft die Lage des Hauses fest. Viele Planungsfehler entstehen, weil ein Wunschgrundriss erst entworfen und dann mühsam an die Vorgaben angepasst wird.

Danach lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wer wohnt im Haus, wer arbeitet von zu Hause, wie lange bleiben die Kinder, kommen Eltern zu Besuch? Schreibe für jeden Raum auf, was darin passieren soll und welche Möbel er aufnehmen muss.

Raumgrößen: Was üblich ist

Feste Mindestgrößen für Räume im Einfamilienhaus gibt es nicht. Als Orientierung nennen Hausbauratgeber diese Werte:

Raumübliche GrößeHinweis
Wohnen und Essen30 bis 40 m² und mehroffene Lösungen wirken größer, brauchen aber Stellwände
Schlafzimmer, Kinderzimmer15 bis 20 m²Bett, Schrank und Bewegungsfläche einplanen
Küche6 bis 12 m²bei offener Küche Teil des Wohnbereichs
Bad6 bis 12 m²Dusche bodengleich planen, wenn möglich
gesamte Wohnfläche100 bis 160 m²typischer Bereich für Einfamilienhäuser

Wichtiger als die Quadratmeterzahl ist der Zuschnitt. Ein langer, schmaler Raum mit drei Türen lässt sich schlechter möblieren als ein kompakter Raum mit einer Tür. Zeichne deshalb jedes Zimmer mit maßstäblichen Möbeln.

Bewegungsflächen: DIN 18040-2 als Orientierung

Die DIN 18040-2 regelt barrierefreies Bauen von Wohnungen. Für ein privates Einfamilienhaus ist sie nicht vorgeschrieben, ihre Maße sind aber eine gute Orientierung, damit du auch mit Kinderwagen, Krücken oder im Alter gut zurechtkommst. Für barrierefreie Wohnungen nennt sie unter anderem:

Für Stellflächen und Abstände von Möbeln gab es früher die DIN 18011 von 1967. Sie ist sehr alt und spiegelt heutige Möbelmaße nur eingeschränkt wider. Lass dir von deinem Planer zeigen, mit welchen Stellflächen er rechnet, und miss deine eigenen Möbel nach.

Himmelsrichtung: Räume nach der Sonne ordnen

Die Lage der Räume entscheidet über Tageslicht, Wärmegewinne im Winter und Überhitzung im Sommer. Eine bewährte Faustregel:

Denke auch an das Dach: Eine Dachfläche nach Süden oder eine Ost-West-Ausrichtung kommt einer Photovoltaikanlage zugute. Kläre die Dachausrichtung deshalb zusammen mit dem Grundriss und nicht erst danach.

Küche: Arbeitsdreieck und Laufwege

Die meisten Wege in der Küche führen zwischen Kühlschrank, Spüle und Kochfeld hin und her. Küchenplaner empfehlen, diese drei Punkte jeweils etwa 100 bis 150 cm voneinander entfernt anzuordnen. Zwischen Spüle und Kochfeld sollte eine freie Arbeitsfläche von 80 bis 100 cm liegen. Bei zweizeiligen Küchen gilt: 100 cm Gang reichen für eine Person, 120 cm für zwei.

Typische Fehler: Der Kühlschrank steht am anderen Ende des Raums, die Spülmaschine öffnet in den Hauptlaufweg, oder der Durchgang zum Garten führt mitten durch den Arbeitsbereich.

Stauraum und Hauswirtschaftsraum

Fehlender Stauraum ist einer der häufigsten Kritikpunkte nach dem Einzug, vor allem in Häusern ohne Keller. Plane bewusst:

Faustregel aus der Praxis: Lieber wenige große Räume als viele kleine. Lange Flure und Galerien kosten Fläche, die du nicht möblieren kannst.

Steckdosen, Licht und Leitungen gleich mitplanen

Sobald die Möbel stehen, kannst du die Elektroplanung angehen. Steckdosen hinter dem Sofa, Schalter auf der falschen Türseite oder ein Deckenauslass mitten über dem Esstisch, der später nicht mehr passt, sind schwer zu korrigieren. Mit dem Elektroplaner legst du Steckdosen, Schalter und Leuchten direkt auf deinen Grundriss. Wie viele Steckdosen je Raum sinnvoll sind, steht im Artikel Steckdosen pro Raum.

Beispiel: Ein Kinderzimmer durchrechnen

Du planst ein Kinderzimmer mit 3,00 × 4,00 m, also 12 m². Möbel: Bett 90 × 200 cm, Schrank 150 × 60 cm, Schreibtisch 120 × 70 cm.

Das funktioniert, aber nur, wenn Tür und Fenster so liegen, dass die drei Möbel an geschlossenen Wänden stehen können. Eine Tür in der Mitte der langen Wand und ein bodentiefes Fenster gegenüber machen denselben Raum deutlich schwerer nutzbar.

Checkliste vor der Freigabe des Grundrisses

  1. Bebauungsplan geprüft und Grundriss passt zu Baugrenzen, Geschosszahl und Dachform?
  2. Alle Räume mit echten Möbelmaßen gezeichnet?
  3. Bewegungsflächen vor Bett, Schränken, Küche und im Bad mindestens 90 bis 120 cm?
  4. Wohnräume nach Süden oder Westen, mit Sonnenschutz geplant?
  5. Küche: Kühlschrank, Spüle und Kochfeld in kurzen Wegen?
  6. Hauswirtschaftsraum groß genug für Wäsche, Technik und Vorräte?
  7. Garderobe und Abstellflächen in jedem Geschoss?
  8. Ein Zimmer im Erdgeschoss, das später als Schlafzimmer dienen kann, und ein Bad mit bodengleicher Dusche?
  9. Steckdosen, Schalter und Leuchten auf den Möbelplan abgestimmt?
Kurz gesagt: Plane jeden Raum mit echten Möbeln und ausreichenden Bewegungsflächen, die DIN 18040-2 liefert dafür gute Richtwerte von 90 bis 120 cm. Ordne Räume nach der Sonne, halte Laufwege in der Küche kurz und gib Stauraum und Hauswirtschaftsraum genug Fläche. Die Elektroplanung gehört direkt auf den fertigen Möbelplan.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.

Über den Autor

Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz

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