Wärmepumpe im Neubau: Kosten, Effizienz und was das Gesetz verlangt
Von Manuel Digeronimo · 12. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Wer 2026 neu baut, plant fast immer mit einer Wärmepumpe. Gleichzeitig hat sich das Heizungsrecht im Sommer grundlegend geändert. Dieser Artikel ordnet ein, was rechtlich gilt, welche Bauart zu deinem Haus passt, was die Jahresarbeitszahl aussagt und mit welchen Kosten du rechnen solltest.
Was das Gesetz seit Juli 2026 verlangt
Bundestag und Bundesrat haben das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) am 9. Juli 2026 beschlossen. Es wurde am 28. Juli 2026 verkündet. Seit dem 29. Juli 2026 ist die Pflicht gestrichen, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Das betrifft Neubau und Bestand. Eine Verfassungsbeschwerde der Deutschen Umwelthilfe hat keine aufschiebende Wirkung. Das Gesetz gilt also.
Für den Neubau heißt das aber nicht, dass alles erlaubt bleibt. Drei Punkte sind wichtig:
- Primärenergie und Wärmeschutz: Ein Neubau muss weiterhin einen Höchstwert für den Jahres-Primärenergiebedarf einhalten und einen Mindest-Wärmeschutz erfüllen. Ab dem 1. Januar 2027 gilt dafür ein neu definiertes Referenzgebäude, der bisherige Faktor 0,55 entfällt. Nach Angaben des Gesetzgebers liegt das neue Niveau ungefähr beim bisherigen Standard.
- Nullemissionsgebäude ab 2030: Ab dem 1. Januar 2030 muss jeder Neubau am Standort ohne fossile CO₂-Emissionen betrieben werden. Genannt werden Wärmepumpen, geeignete Wärmenetze oder vollständig nichtfossile Lösungen. Eine Gasheizung mit etwas Biomethan reicht dann nicht.
- Stromdirektheizungen: Wer im Neubau zum Beispiel nur mit Infrarotpaneelen heizen will, muss eine deutlich bessere Gebäudehülle nachweisen.
Praktisch bedeutet das: Wer heute einen Bauantrag stellt und in den nächsten Jahrzehnten keine Probleme mit Brennstoffpreisen und Beimischpflichten haben will, landet in den meisten Fällen wieder bei der Wärmepumpe. Den Energienachweis rechnet dein Energieberater oder Planer. Frag konkret nach, nach welcher Fassung (vor oder ab 1. Januar 2027) dein Nachweis erstellt wird.
Luft-Wasser oder Sole-Wasser?
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt die Außenluft als Wärmequelle. Sie braucht keine Bohrung und keinen Kollektor und ist deshalb im Neubau die häufigste Lösung. Nachteil: Gerade an kalten Tagen, wenn du am meisten Wärme brauchst, ist die Quelle am kältesten.
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärmepumpe) holt die Wärme über eine Erdsonde oder einen Flächenkollektor aus dem Boden. Dort ist die Temperatur übers Jahr deutlich gleichmäßiger. Das bringt bessere Effizienz, kostet aber zusätzlich für Bohrung oder Erdarbeiten. Ob und unter welchen Auflagen eine Erdsonde gebohrt werden darf, klärst du früh mit der zuständigen Behörde vor Ort.
| Luft-Wasser | Sole-Wasser (Erdwärme) | |
|---|---|---|
| Typische JAZ (co2online) | 3,1 | 4,1 |
| Gemessene JAZ, Feldtest Fraunhofer ISE (Bestand) | 3,4 | 4,3 |
| Anschaffung, Durchschnitt Einfamilienhaus (co2online) | ca. 29 500 Euro | ca. 30 500 Euro plus 8 000 bis 16 000 Euro für die Erschließung |
| Platzbedarf | Außeneinheit, Innengerät ca. 0,5 bis 1,2 m² | Bohrung oder Kollektorfläche im Garten |
| Schall | Außeneinheit beachten | kein Außengerät, unkritisch |
Die Kostenangaben sind Durchschnittswerte über viele Projekte und schließen Einbau mit ein. Im Neubau mit geringer Heizlast kann eine kleinere Anlage reichen. Hol trotzdem mehrere vollständige Angebote ein, denn die Preisspanne zwischen Fachbetrieben ist groß.
Was die Jahresarbeitszahl bedeutet
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viel Wärme die Wärmepumpe über ein ganzes Jahr pro eingesetzter Kilowattstunde Strom liefert. Eine JAZ von 4 heißt: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme. Drei Viertel stammen aus Luft oder Erdreich.
Nicht verwechseln solltest du die JAZ mit dem COP aus dem Datenblatt. Der COP ist ein Laborwert bei festen Temperaturen. Die JAZ ist der reale Wert im Haus, inklusive Warmwasser, Abtauen und Heizstab. Sie ist für deine Stromrechnung entscheidend.
Das Fraunhofer ISE hat über vier Jahre 77 Wärmepumpen in bestehenden Ein- und Zweifamilienhäusern vermessen. Luft-Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine JAZ von 3,4, erdgekoppelte Systeme 4,3. Die Spanne aller Anlagen lag zwischen 2,6 und 5,4. Ein Neubau hat bessere Voraussetzungen als ein Altbau, vor allem durch niedrige Vorlauftemperaturen.
Vorlauftemperatur und Fußbodenheizung
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das in die Heizflächen fließt. Je niedriger sie ist, desto weniger muss die Wärmepumpe die Temperatur anheben und desto höher wird die JAZ. Frühere Feldmessungen des Fraunhofer ISE zeigen genau diesen Zusammenhang: Die besten Werte erreichten Anlagen mit Fußbodenheizung und niedriger mittlerer Vorlauftemperatur.
- Plane Flächenheizungen (Fußboden, Wand oder Decke) mit engem Verlegeabstand. Dann reichen auch an kalten Tagen niedrige Vorlauftemperaturen.
- Lass eine raumweise Heizlastberechnung erstellen. Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet häufig und arbeitet schlechter.
- Bestehe auf einem hydraulischen Abgleich und einer sauber eingestellten Heizkurve bei der Inbetriebnahme.
- Für Warmwasser braucht die Wärmepumpe höhere Temperaturen. Ein gut gedämmter Speicher in passender Größe hält den Anteil des Heizstabs klein.
Beispielrechnung: Betriebskosten im Neubau
Angenommen, dein Neubau mit rund 150 m² Wohnfläche braucht im Jahr 9 000 kWh Wärme für Heizung und Warmwasser. Die Verbraucherzentrale NRW hat im Marktcheck vom Februar 2026 für Wärmepumpentarife mit eigenem Zähler (Modul 2 nach § 14a EnWG) einen durchschnittlichen Arbeitspreis von 24 Cent pro kWh und einen Grundpreis von rund 140 Euro im Jahr ermittelt.
| Luft-Wasser | Sole-Wasser | |
|---|---|---|
| Wärmebedarf | 9 000 kWh | 9 000 kWh |
| Angenommene JAZ | 3,6 | 4,5 |
| Stromverbrauch | 2 500 kWh | 2 000 kWh |
| Arbeitspreis (24 Cent/kWh) | 600 Euro | 480 Euro |
| Grundpreis | 140 Euro | 140 Euro |
| Stromkosten pro Jahr | 740 Euro | 620 Euro |
Die Erdwärmepumpe spart in diesem Beispiel rund 120 Euro im Jahr. Bei Mehrkosten von 8 000 bis 16 000 Euro für die Erschließung dauert es sehr lange, bis sich das rechnet. Im gut gedämmten Neubau ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe deshalb wirtschaftlich meist vorn. Die Sole-Variante lohnt sich eher bei hohem Wärmebedarf, günstigen Bohrbedingungen oder wenn kein Außengerät stehen soll.
Mit einem Wärmestromtarif ohne separaten Zähler (Modul 1) lag der Arbeitspreis laut Marktcheck im Schnitt bei 31,5 Cent pro kWh, dafür aber den Grundpreis für den zweiten Zähler sparen. Deine eigenen Baukosten inklusive Heizung kannst du mit dem Baukostenrechner überschlagen.
Schallschutz und Aufstellung
Die Außeneinheit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe erzeugt Geräusche. Maßgeblich sind die Immissionsrichtwerte der TA Lärm, gemessen am nächsten Fenster eines schutzbedürftigen Raums beim Nachbarn:
| Gebietsart | Tag | Nacht (22 bis 6 Uhr) |
|---|---|---|
| Reines Wohngebiet | 50 dB(A) | 35 dB(A) |
| Allgemeines Wohngebiet | 55 dB(A) | 40 dB(A) |
| Mischgebiet | 60 dB(A) | 45 dB(A) |
Kritisch ist vor allem der Nachtwert. Verantwortlich für die Einhaltung bist du als Betreiber. Diese Punkte helfen:
- Gerät mit geringer Schallleistung wählen und den Wert im Datenblatt vergleichen.
- Nicht in Ecken, Nischen oder zwischen zwei Wänden aufstellen. Reflexionen erhöhen den Pegel.
- Ausreichend Abstand zu Schlafzimmerfenstern, auch zu deinen eigenen.
- Schwingungsentkoppelt aufstellen, damit kein Körperschall ins Haus gelangt.
- Den Standort früh im Lageplan festlegen und bei knappen Grundstücken eine Schallberechnung machen lassen.
§ 14a EnWG: günstigere Netzentgelte
Wärmepumpen, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gehen und eine Netzanschlussleistung über 4,2 kW haben, gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtung. Der Netzbetreiber darf ihren Strombezug bei drohender Überlastung vorübergehend auf 4,2 kW begrenzen, ganz abschalten darf er sie nicht. Im Gegenzug sinkt dein Netzentgelt. Ohne eigenen Zähler gibt es eine Pauschale (Modul 1). Mit eigenem Zähler sinkt der Netzentgelt-Arbeitspreis um 60 Prozent (Modul 2). Laut Verbraucherzentrale NRW lohnt sich Modul 2 meist ab etwa 4 000 kWh Jahresverbrauch. Plane den Platz für einen zweiten Zähler im Zählerschrank gleich mit ein.
Quellen
- Ökozentrum NRW: Update zum GModG, Stand 8. Oktober 2026
- Bund Deutscher Baumeister: Kurzbriefing Gebäudemodernisierungsgesetz, Juli 2026, abgerufen am 12. Oktober 2026
- ZfK: Fraunhofer-ISE-Studie zu Wärmepumpen im Altbau, abgerufen am 12. Oktober 2026
- co2online: Wärmepumpen im Vergleich, Stand 29. September 2026
- Verbraucherzentrale NRW: Marktcheck Wärmepumpenstromtarife, Februar 2026
- Stadt Schwabach: Merkblatt zum Lärmschutz bei Luftwärmepumpen, abgerufen am 12. Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz