Einbauspots planen: Wie viele Spots, welcher Abstand, wie hell?
Von Manuel Digeronimo · 12. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Bei der abgehängten Decke fällt die Entscheidung, wo Licht hinkommt, früher als gedacht. Die Löcher werden gebohrt, bevor der Maler kommt, und ein Spot an der falschen Stelle bleibt dort. Faustregeln wie „ein Spot pro Quadratmeter“ helfen dabei wenig, weil sie weder die Deckenhöhe noch den Abstrahlwinkel berücksichtigen. Dieser Artikel zeigt, wie man es genauer macht.
Als Beispiel dient ein Spot aus unserer eigenen Hausplanung: 494 Lumen bei 3,4 Watt, Abstrahlwinkel 37 Grad, maximale Lichtstärke 929 Candela. Die Decke hängt auf 2,48 Meter.
Die drei Zahlen, auf die es im Datenblatt ankommt
- Lichtstrom in Lumen (lm): die gesamte Lichtmenge, die der Spot abgibt. Sie sagt nichts darüber, wohin das Licht geht.
- Abstrahlwinkel in Grad: der Winkel, innerhalb dessen die Lichtstärke mindestens halb so groß ist wie in der Mitte. Ein 37-Grad-Spot bündelt deutlich stärker als ein 60-Grad-Spot.
- Lichtstärke in Candela (cd): wie viel Licht in eine bestimmte Richtung geht, meist für die Mitte des Kegels angegeben. Daraus lässt sich die Helligkeit direkt unter dem Spot ausrechnen.
Viele Hersteller stellen zusätzlich eine IES- oder LDT-Datei bereit. Darin steht die Lichtstärke für jeden Winkel, also die komplette Lichtverteilung. Planungsprogramme rechnen damit genauer als mit dem Abstrahlwinkel allein.
Wie hell es unter einem Spot wird
Die Beleuchtungsstärke in Lux (lx) beschreibt, wie viel Licht auf einer Fläche ankommt. Direkt unter einem Spot gilt das photometrische Entfernungsgesetz: Lichtstärke geteilt durch das Quadrat des Abstands. Seitlich versetzt kommt der Faktor cos³ des Winkels dazu, weil das Licht schräg und aus größerer Entfernung auftrifft.
Für unseren Spot ergibt das auf Tischhöhe (0,75 m, also 1,73 m unter der Decke):
| Abstand von der Spotmitte | Beleuchtungsstärke auf Tischhöhe |
|---|---|
| 0 cm (direkt darunter) | ca. 310 lx |
| 30 cm | ca. 245 lx |
| 50 cm | ca. 165 lx |
| 80 cm | ca. 65 lx |
| 100 cm | ca. 30 lx |
Auf dem Fußboden, 2,48 m unter der Decke, sind es direkt unter dem Spot nur noch rund 150 lx. Der Abstand geht quadratisch ein: Etwas mehr Höhe kostet spürbar Helligkeit. Gerechnet ist hier nur das direkte Licht. Helle Wände und Decken werfen zusätzlich Licht zurück, in der Praxis wird es also etwas heller.
Abstand der Spots untereinander
Eine brauchbare Faustregel: Die Lichtkegel sollen sich auf der Höhe treffen, auf der man das Licht braucht. Der Durchmesser des Kegels ist 2 × Abstand × tan(halber Abstrahlwinkel).
- Bei 37 Grad und Tischhöhe (1,73 m Abstand) hat der Kegel rund 1,15 m Durchmesser.
- Auf dem Boden (2,48 m Abstand) sind es rund 1,65 m.
Ein Raster von etwa 1,0 bis 1,3 m passt deshalb gut zu diesem Spot. Liegen die Spots weiter auseinander, entstehen dunkle Inseln zwischen den Lichtkreisen. Liegen sie enger, wird es zwar gleichmäßiger, aber auch heller und teurer, als nötig wäre. Spots mit breiterem Abstrahlwinkel dürfen weiter auseinander sitzen.
Abstand zur Wand
Für den Abstand zur Wand gilt als Richtwert: etwa die Hälfte des Spot-Abstands. Dann ist der Raum am Rand ähnlich hell wie in der Mitte. Wer einen Spot dichter als 30 bis 40 cm an die Wand setzt, bekommt einen hellen Lichtbogen auf der Wand. Das kann als Effekt gewollt sein, etwa über einem Bild, wirkt bei glatt verputzten Wänden aber schnell unruhig.
Vor Schränken ist mehr Abstand sinnvoll. Sonst leuchtet der Spot auf die Schrankfront statt in den Schrank, und beim Öffnen steht man im eigenen Schatten.
Wie viele Spots ein Raum braucht
Für einen Raum von 4 × 3,5 m (14 m²) mit dem Beispielspot ergeben sich auf Tischhöhe, ohne Reflexionen, diese Werte:
| Spots | Raster | Mittlere Helligkeit | Dunkelste Stelle | Lumen pro m² |
|---|---|---|---|---|
| 4 | 2,00 × 1,75 m | ca. 115 lx | ca. 10 lx | ca. 140 |
| 6 | 1,33 × 1,75 m | ca. 165 lx | ca. 30 lx | ca. 210 |
| 9 | 1,33 × 1,17 m | ca. 240 lx | ca. 65 lx | ca. 320 |
| 12 | 1,00 × 1,17 m | ca. 315 lx | ca. 100 lx | ca. 420 |
Die dunkelste Stelle liegt immer in den Ecken. Dort kommt in der Realität ein guter Teil Licht von den Wänden zurück. Trotzdem zeigt die Tabelle, warum vier Spots in 14 m² zu wenig sind: Die Lichtkreise berühren sich nicht.
Als grobe Orientierung werden für Wohn- und Schlafräume 100 bis 150 Lumen pro Quadratmeter genannt, für Küche, Bad und Arbeitszimmer 250 bis 300. Für das Wohnzimmer reichen mit dem Beispielspot also eher 4 bis 6 Spots, wenn zusätzlich Steh- oder Tischleuchten da sind. In der Küche wären es 8 bis 9.
Enger oder breiter Abstrahlwinkel?
Bei gleichem Lichtstrom bringt ein enger Kegel mehr Licht direkt unter den Spot, ein breiter Kegel verteilt es gleichmäßiger und schickt mehr Licht an die Wände. Rechnet man den Beispielraum mit 9 Spots einmal mit 37 und einmal mit 60 Grad, sinkt die mittlere Helligkeit auf dem Tisch von rund 240 auf 180 lx, die dunkelste Stelle steigt aber von 65 auf 70 lx. Der Raum wirkt mit dem breiten Spot ruhiger und heller, weil die Wände angestrahlt werden, die Arbeitsfläche ist mit dem engen Spot heller.
Praktisch heißt das: Über Arbeitsflächen und Kochinsel lohnt ein engerer Winkel, im Flur und im Wohnbereich eher ein breiterer.
Typische Fehler
- Spots nur nach Symmetrie zur Decke setzen statt nach Möbeln. Über dem Esstisch, der Arbeitsplatte und dem Waschtisch muss Licht ankommen, nicht in der Raummitte.
- Den Spot direkt über den Kopf vor den Spiegel setzen. Dann wirft das Gesicht Schatten nach unten. Besser seitlich oder mit Spiegelleuchte.
- Zu wenige Schaltkreise. Wer Spots in zwei oder drei Gruppen schaltet oder dimmt, kann Arbeitslicht und gemütliches Licht trennen.
- Den Trafo oder Treiber vergessen. Er muss durch das Deckenloch passen und braucht Platz über der Decke.
Selbst durchrechnen
Im Elektroplaner kannst du deinen Grundriss hochladen, Räume einzeichnen und die Spots automatisch verteilen lassen. Du gibst dazu entweder die IES-Datei deines Spots oder Lumen und Abstrahlwinkel von Hand ein. Die Lichtverteilung wird als Farbkarte angezeigt, Abstände zur Wand und zwischen den Spots lassen sich einblenden. Wie das genau geht, steht in der Anleitung.
Quellen
- Spektrum Lexikon der Optik: Photometrisches Grundgesetz
- sanier.de: Räume richtig ausleuchten (Lumen pro m² je Raum), abgerufen am 12. Oktober 2026
- Baunetz Wissen: Farbwiedergabe und Farbwiedergabeindex
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Rechts- oder Bauberatung. Zahlen und Regeln können sich ändern.
Über den Autor
Manuel Digeronimo plant und baut gerade selbst ein Einfamilienhaus. Aus diesem Projekt sind die Rechner und Planer von BetonBilanz entstanden. In den Artikeln schreibt er auf, was er dabei recherchiert und nachgerechnet hat. Mehr über BetonBilanz